Altes Wissen in neuem Glanz: Die UNESCO pflegt nun auch immaterielles Kulturgut wie die Erfahrungsschätze unserer Ahnen. Früher wurden sie Kräuterweiblein oder Hexen genannt, heute gelten sie als Expertinnen für traditionelles Wissen. Viele ihrer Erfahrungsschätze sind in Vergessenheit geraten. Doch einige sind noch immer lebendig.

Gute Kochrezepte sind oft die heimlichen Schätze der Familien. Sie werden „vererbt“ und von Müttern und Großmüttern an die jungen Frauen weitergegeben. Oft erprobt, immer wieder verfeinert und geheimnisvoll gewürzt und gemixt, sind sie ohne Anleitung nicht reproduzierbar. Neben den Geheimnissen der Küche wurden auch Hausmittel gegen Krankheiten übermittelt, Erfahrungen für das Sammeln von Kräutern oder die besten Pflanz- und Erntezeiten. Mittel für leichte Geburten, für Gesundheit oder Fruchtbarkeit bei Mensch und Tier wurden produziert und Spezialistinnen für Liebestränke, Räucherkräuter oder Putzmittel gab es fast in jeder Familie.

Besinnung auf Tradition

Die „weisen Frauen“ galten von alters her als Trägerinnen von Wissen, Auskunftspersonen und Ratgeberinnen. Sie horteten Informationen und gaben Überliefertes und selbst Beobachtetes, Gelerntes und Erfahrenes weiter. Heute findet die Auseinandersetzung mit über Generationen gesammeltem Wissen und die Bewahrung und Weitergabe durch „weise Frauen“ wieder vermehrt statt. Die Bedeutung von weiblichem Know-how für die Gesellschaft wird wieder entdeckt und fließt in die Schulung von Hebammen und Pharmazeuten ein. Naturheilkunde hat sich ihren Platz zurückerobert und viele Menschen vertrauen der „Apotheke Gottes“ mehr als den Pharmakonzernen.

Immaterielles Kulturgut

Die Nationalagentur für das immaterielle Kulturerbe sieht in der Disziplin der Wissensbewahrung und Vermittlung die zentrale Rolle der weisen Frauen. Das UNESCO-Programm zur Pflege des immateriellen Kulturerbes rückt weltweit überlieferte Traditionen in den Blickpunkt. Denn sie prägen und beeinflussen Kulturen heute und morgen. Den thematischen Schwerpunkt derzeit: „Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum“. Gerade in Zeiten von Klimawandel und Globalisierung kann eine solche Vertiefung Impulse für die Rolle des Individuums im globalen Prozess setzen.

TEXT: GOLDEN Age Archiv, Daniela Schwarz | FOTO: AbsFreepic

Was die Großmutter noch wusste

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