Urlaub in Südfrankreich: Lavendelblüte in der Provence

Die Lavendelfelder der Provence – ein einzigartiges Naturschauspiel

Mit ihren duftenden Hängen, den fruchtbaren Tälern und nicht zuletzt dem reichen kulturellen und architektonischen Erbe ist die Provence zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Reiseziel. Doch wer ein einzigartiges Naturschauspiel erleben möchte, muss diese reizvolle Region von Ende Juni bis Mitte August besuchen, wenn sich die ausgedehnten Felder im leuchtenden Blauviolett der Lavendelblüte präsentieren.

 

Unterwegs in der Gebirgslandschaft Luberon

Ockerbrüche

Lavendelblüte

Roussillon

Eine Tour im Luberon, der Gebirgslandschaft im Herzen der Provence, führt durch zahlreiche malerische Dörfer. Einige davon, wie Gordes oder Roussillon, wurden in die Liste der schönsten Dörfer Frankreichs aufgenommen. Wir besuchen das auf einem Felsen über dem Tal des Flusses Coulon thronende Gordes, dessen mittelalterlicher Stadtkern weitgehend erhalten blieb. 11 km entfernt liegt das Dörfchen Roussillon mit seinen engen Gassen und den ockerfarbenen Hausfassaden. Als wir im Sonnenlicht durch die einstigen Ockerbrüche schlendern, erleben wir ein gewaltiges Farbenspiel von strahlend hellem Gelb bis zu dunklem Ziegelrot unter dem azurblauen Himmel. Anschließend suchen wir das inmitten von Lavendelfeldern gelegene Zisterzienserkloster Sénanque auf. Es ist die letzte Juliwoche und der Lavendel, der einen betörenden Duft verströmt, steht in voller Blütenpracht.

Avignon – die Stadt der Päpste

Die Altstadt mit dem mächtigen gotischen Palast, in dem im 14. Jh. die Päpste residierten, ist von einer stattlichen Befestigungsmauer umgeben. Zahlreiche Tore gewähren Einlass ins historische Zentrum, das von einer glanzvollen Vergangenheit zeugt. In unmittelbarer Nähe des Papstpalastes steht die legendäre Brücke, die dank des Volkslieds aus dem 15. Jh. „Sur le pont d‘ Avignon“ auf der ganzen Welt bekannt ist. Sie überspannt einen Teil des östlichen Flussarmes der Rhône. Von den ursprünglich 22 Bögen sind heute nur noch 5 erhalten.

Im Juli findet in Avignon jedes Jahr drei Wochen lang eines der berühmtesten Theaterfestivals der Welt statt. Schauplätze sind der Ehrenhof des Papstpalastes und weitere Bühnen. Beim Festival Off verwandelt sich die ganze Stadt in eine riesige Bühne.

Arles – Auf den Spuren der Römer

In dieser wunderschönen Stadt im Süden der Provence haben die Römer zahlreiche Spuren hinterlassen. Die Arena, in der einst Gladiatorenkämpfe stattfanden, ist heute Austragungsort von historischen Festspielen und Stierkämpfen. In der Nähe steht das römische Theater, deren zwei große Säulen an der Rückwand im Sommer den Hintergrund für das Festival von Arles bilden. Allgegenwärtig ist Vincent van Gogh. Vom Licht und den ausdrucksstarken Farben des Südens angezogen, lebte und malte er 15 Monate in Arles. Ein Pfad, der durch die Stadt führt, weist auf die Plätze hin, an denen viele seiner Meisterwerke entstanden.

Vor den Toren von Arles liegt die Sumpf- und Seenlandschaft Camargue. Hier sind mehr als 350 Vogelarten beheimatet, doch die Symboltiere dieses Schwemmlandes sind die rosaroten Flamingos,die weißen Pferde und die schwarzen Stiere. Damit unser Ausflug in die Camargue mit ihren wundervollen Tieren nicht allzu sehr von den vielen Mücken getrübt wird, haben wir ein Mittel gegen die kleinen Plagegeister im Reisegepäck.

In den Alpilles (kleine Alpen), die sich über 25 km nordöstlich von Arles erstrecken, liegt das idyllische Felsendorf Les Baux-de-Provence mit seiner Burgruine Château des Baux. Hier trafen sich vor 700 Jahren die Troubadoure, um sich in höfischer Dichtkunst zu üben. Der Panoramablick, den wir von der Burganlage genießen, ist überwältigend.

Das Dorf „Les Beaux de Provence“

Kloster Notre-Dame de Sénanque, umgeben von blühenden Lavendelfeldern

Stimmungsvolles Bistro

Aix-en-Provence – die Heimatstadt von Paul Cézanne

Aix, die Stadt der Künste und Kultur schmückt sich mit vielen eleganten Boulevards und Plätzen. Beeindruckend sind die unzähligen Brunnen, von denen vier in der von Platanen gesäumten Prachtstraße, dem Cours Mirabeau, stehen. Lohnenswert ist ein Besuch des Musée Granet, eines der ältesten Kunstmuseen Frankreichs, das sich südlich dieser Flaniermeile befinden. Bei einem Cézanne-Rundgang lernen wir die Stätten in Aix kennen, die für den Maler von Bedeutung waren. Der Weg führt vom Geburtshaus des berühmten Sohnes der Stadt bis zur letzten Ruhestätte auf dem Friedhof Saint-Pierre.

Genießen wie Gott in Frankreich –in einem Bistrot des Pays

Dank des milden mediterranen Klimas wachsen im Süden Frankreichs die besten Zutaten für delikate Speisen und Weine. In den Rezepten kommen häufig Kräuter wie Lavendel, Thymian, Oregano und Rosmarin zum Einsatz, die in der Provence angebaut werden.Nicht immer ist es einfach, in den touristischen Hochburgen ein Restaurant zu finden, in dem man in den Genuss der landestypischen Küche kommt. Doch seit 1992 gibt es in den kleinen Dörfern, abseits des Touristenstroms, die „Bistrots de Pays“. Diese Bistrots tragen ein Gütesiegel und müssen gewisse Voraussetzungen erfüllen. Das Dorf darf nicht mehr als 2000 Einwohner zählen und das Lokal muss ganzjährig geöffnet sein. Wenn es keine Lebensmittelgeschäfte mehr im Ort gibt, übernehmen die Bistrots diese Aufgabe. Hier findet man oftmals auch klassische Leckereien der Provence, wie kandierte Früchte oder weißen Nougat, der wie türkischer Honig schmeckt und ursprünglich aus der Stadt Montélimar stammt.

Im mittelalterlichen Dorf Oppède, das von den Wäldern des Naturparks Luberon umgeben ist, kehren wir in das „Bistro les Poulivets“ ein. Das von außen recht unscheinbar wirkende Lokal überzeugt mit vorzüglichen Speisen und einem guten lokalen Wein. Auch durch die moderaten Preise ist dieses Bistro sehr zu empfehlen.

Der Nationalpark Calanques

Die Calanques sind fjordähnliche Buchten mit tiefblauem Wasser, die zwischen Marseille und dem romantischen Städtchen Cassis liegen. Ob Wandern, Klettern, Tauchen oder Schnorcheln – hier ist alles möglich. Wir buchen bei herrlichem Wetter einen Bootsausflug von Marseille nach Cassis mit Zwischenstopp beim Château d‘If. Das ehemalige Gefängnis auf der kleinen Felseninsel If wurde durch den Roman „Der Graf von Monte Christo“ von Alexandre Dumas weltweit bekannt.

Zeugnisse aus der Römerzeit und moderne Architektur, weiße Felsen und blaues Meer, Städte voller Leben und verträumte Dörfer im Hinterland: Die Provence hat viele Gesichter, die ihren besonderen Reiz ausmachen. Lassen auch Sie sich verzaubern von dieser unverwechselbaren Region und entdecken Sie die Reichtümer der Provence.

Text: Gerlinde Eichhorn

 

2019-08-01T19:34:23+00:00