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Unverfälschtes Süditalien – eine Einheimische erzählt

„Mein Süditalien“ von Elisabetta de Luca aus dem Kochbuch MEDITERRANEO

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn, im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn, ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht, die Myrte still und hoch der Lorbeer steht.“

Mit diesen Zeilen aus seinem Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ hat Goethe im 18. Jahrhundert eine neue Italienwahrnehmung begründet, die bis heute anhält. Als Synonym des Paradieses auf Erden wurde „das Land, wo die Zitronen blühn“ damit für die Menschen jenseits der Alpen zum Sehnsuchtsort schlechthin, der die Üppigkeit der Natur und pralle Lebensfreude verhieß.

Leider hat sich Italien seither stark verändert. Industrialisierung, Globalisierung und Massentourismus haben ihre Spuren hinterlassen. Wenn man heute „vom Brenner talwärts steigt“, empfangen einen längst nicht mehr Zitronen- und Feigenbäume, Maultiere und fröhliche „Obstweiber“ mit Körben voll frischer Pfirsiche, sondern rauchende Schlote, Autobahnen und von der Jagd nach dem globalen Wohlstand gehetzte Menschen mit ernsten Minen. Im Norden zumindest …

Nicht so im Süden! Denn hier ist Italien auch heute noch jenes Italien, nach dem sich Generationen von Menschen seit Goethe sehnen! Von Rom abwärts lebt das irdische Paradies in der Kultur des „Mediterraneo“ weiter. Hier glitzert das Meer strahlend blau. Hier duftet die Luft verheißungsvoll nach mehr. Und hier haben sich die Menschen ihre Lebensfreude bewahrt. Der Süden, der nach dem Stand der Sonne auch gerne als Mezzogiorno (Mittag) bezeichnet wird und ursprünglich die „Kornkammer Italiens“ war, gilt ob seiner Fruchtbarkeit seit den Zeiten der Magna Graecia als Campania felix (glückliche Landschaft). Mangels Bodenschätzen und Industrie wird er daher nach wie vor in erster Linie agrarisch genutzt. Daran hat sich trotz Transferzahlungen des reichen Nordens in den 1950er-Jahren und EU-Förderungen für ein verstärktes Wirtschaftswachstum bis zum heutigen Tag nicht viel geändert. Das Bruttoinlandsprodukt des Südens beträgt immer noch 42 % weniger als jenes des Nordens.

Doch genau das scheint ihn vor der Zerstörung durch die Wirtschaft bewahrt und ihm sein ursprüngliches Aussehen und seinen einzigartigen Charme erhalten zu haben. Nicht umsonst ist Italien das Land mit den meisten Welterbestätten der Erde. Von den 46 Kultur- und 4 Naturerbestätten befindet sich der Großteil in Süditalien.

Dazu zählen ob ihrer atemberaubenden Schönheit, neben bedeutenden Kulturschätzen wie die Reggia di Caserta oder die Altstadt von Neapel, gleich ganze Landstriche wie die Costa Amalfitana, das Gebiet Cilento mit der Hochebene Vallo di Diano und die Äolischen Inseln. Dementsprechend hoch sind hier die Lebensqualität und vor allem die Lebensfreude heute noch. Auch wenn der Süditaliener kein Aufhebens darum macht. Denn im Herzen ist er ein einfacher Mensch geblieben, dem Werte wie Familie, Essen und Natur besonders viel bedeuten. Dies zeigt sich zum Beispiel darin, dass der Neapolitaner

– obwohl er in einer Metropole lebt
– sich am Liebsten unter freiem Himmel aufhält.

Das gesamte soziale Leben spielt sich im Freien ab. Schon in der Früh trifft man einander auf der Piazza, um den ersten caffè des Tages gemeinsam mit den Freunden einzunehmen und über die neuesten politischen Ereignisse zu reden, ehe man zur Arbeit geht. Den Einkauf macht die Hausfrau auf einem der vielen mercati, welche das herrlichste regionale und saisonale Obst und Gemüse, frisch gefangenen Fisch, unzählige Sorten von Oliven, aber von Waschpulver bis Kochtöpfe genauso alles andere anbieten, was man für den Haushalt so braucht. Klatsch und Tratsch inklusive.

Globale Supermarkt-Ketten haben da keine Chance! Am Wochenende geht’s dann mit der ganzen Familie an die Costa Amalfitana oder einen der vielen anderen Strände, wo man den Tag mit Picknicken, Bocciaspielen und Entspannen verbringt. Wer es sich leisten kann, fährt mit dem eigenen oder einem gemieteten Boot aufs Meer hinaus und stattet den Inseln Capri und Ischia einen Besuch ab, um in einer der versteckten Buchten vor Anker zu gehen und in einem der unzähligen kleinen Restaurants köstlich zu speisen. Das ist Dolce Vita vom Feinsten!

Doch kaum etwas vermittelt einem das Lebensgefühl des Südens – gestern wie heute – besser als das in den 1990er-Jahren entstandene Lied „Mediterraneo“ des aus einem kleinen Ort in der Basilikata stammenden Sängers Mango. Die über allem thronende glühende Sonne, das tiefblaue Meer mit seinen unendlichen Küsten, die weißen Felsen und fernen Inseln, der von Möwen überzogene endlose A zur, steile Olivenhaine, duftende Pinien und leuchtende Orangen sind ebenso Protagonisten darin wie die Menschen, die hier leben und sich als Teil dieses großen Ganzen verstehen. Mit dem Lied hat der Künstler seiner Heimat ein musikalisches Denkmal gesetzt. Gleich einer Hymne ist es in Süditalien allgegenwärtig und dringt Tag und Nacht aus Radios, Fernsehgeräten und MP3-Playern. Kommen Sie mit uns auf diese Reise durch das „Mediterraneo“, lassen Sie sich in dieses wunderbare Land zwischen Meer und Bergen entführen und lernen Sie Italien von seiner authentischsten Seite kennen.

Buon viaggio!

Text: Elisabetta De Luca, aus dem Kochbuch MEDITERRANEO

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MEDITERRANEO – eine kulinarische Reise durch Süditalien mit Rezepten von Luigi Barbaro

 

MEDITERRANEO – Eine kulinarische Reise durch Süditalien mit Rezepten von LUIGI BARBARO von Elisabetta de Luca, erschienen im Pichler Verlag, 288 Seiten, gebundene Ausgabe, €29,90

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Ein Rezept für Melanzanibällchen aus dem Kochbuch MEDITERRANEO finden Sie hier

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2017-10-30T12:21:09+00:00