Zwei One-Woman-Einakter von

Helmut KORHERR

Es spielen:

Erika DEUTINGER (Katia Mann)
Mercedes ECHERER (Hedy Lamarr)

Regie: Christian SPATZEK
Eine Produktion des Kulturvereins SABA

PREMIERE: 29. September 2016
(Beginn: 20:00 Uhr)

Weitere Vorstellungen:
1., 4., 5., 6., 11., 12., 13. Oktober 2016  (Beginn: 20:00 Uhr)

KIP-Kultur im Prückel
Theater im Souterrain des Café Prückel
A-1010 Wien; Biberstraße 2

https://www.kip.co.at

Karten:
Tel. 01/512 54 00, E-Mail: office@kip.co.at
Eintritt: € 25,– / € 22,–
Ermäßigung für Ö1 und Senioren € 15,–
für Studenten bis 27. J.,Zivil- & Präsenzdiener

hedy_lamarr

KATIA MANN
Die Frau hinter Thomas Mann
Als Katia Mann: Erika Deutinger

Ort: Park der Klinik Hirslanden in Zürich

Zeit: 5. Juli 1950

Immer noch ist Katia Mann vielen Kennern der Familie ein Rätsel.
Bei ihrem Ehemann, dem Nobelpreisträger, scheint inzwischen jeder Seelenwinkel ausgeleuchtet. Auch die Auswirkungen seiner unterdrückten Homophilie und die Wirkung seiner zwanghaft abgeschotteten Arbeitsweise auf die Befindlichkeit der sechs Kinder wurden bereits eingehend analysiert. Die Person von Katia Mann hat allerdings ebenfalls Interesse verdient und soll in diesem Einakter ausgiebig beleuchtet werden.

*** Pause ***

HEDY LAMARR
Ein Filmstar aus Wien – gezeichnet von Hollywood
Als Hedy Lamarr: Mercedes Echerer

Ort: Kleines Apartment im „Blackstone Hotel“ in Manhattan/NYC
Zeit: Herbst 1967

Abgesehen von ihrem interessanten Werdegang, wirft die Lebensgeschichte von Hedy Lamarr auch ein brisantes Thema der Gegenwart auf: Schönheitskult und die immer mächtiger aufbrausende Anti-Aging-Welle. Wie Hedy Lamarr versuchen zahlreiche Frauen auch heutzutage ihr jugendliches Aussehen mittels umfangreicher Schönheitsoperationen zu bewahren.

Der Ausgangspunkt des Textes ist im Jahre 1967 angesiedelt.
Von dort erfolgen dann die (nicht unbedingt wahrheitsgetreuen) Rückerinnerungen.

BIOGRAFIEN:

  • KATIA MANN (1883 – 1980)

Katharina, genannt Katia, kam am 24. Juli 1883 zur Welt.
Sie wuchs behütet und privilegiert auf. 1901 machte Katia Abitur, wohl nicht als erste Münchnerin, wie oft behauptet, aber immerhin als eine der ersten und mit beachtlichen Leistungen. Latein, Griechisch, Französisch: „sehr gut“. Die Fremdsprachen blieben ihre Passion, später im Exil schlug sie sich weitaus besser als ihr hoch angesehener Ehemann. Doch sie studierte keine Sprachen, sie entschied sich für Physik und Mathematik.

Katia hatte viele Verehrer, ja, sie galt sogar als eines der begehrtesten Mädchen Münchens. Und sie war eine fleißige Studentin. Dass sie ihr Studium bald abbrach und einen Mann heiratete, in den sie gar nicht besonders verliebt zu sein schien, ist überaus verwunderlich.

Hatte sich Thomas Mann in der ersten Werbe-Phase allzu devot verhalten, begegnete er Katia später „hoch erhobenen Hauptes“. Die beiden heirateten Mitte Februar 1905, und danach ging alles sehr schnell. Neun Monate später kam Tochter Erika zur Welt, im Jahr darauf Sohn Klaus.

Das junge Ehepaar konnte angenehm leben.

Die reichen Eltern – das Ehepaar Pringsheim – hatten ihnen ganz in der Nähe ihres eigenen Prachthauses in der Arcisstraße eine Siebenzimmerwohnung eingerichtet – und das war die bescheidenste Behausung, in die die Manns jemals zogen. Katia traf ihre Mutter und Mäzenin täglich, die Mutter half ihrer Tochter, sich in ihren neuen Rollen zurechtzufinden. Die Ansprüche an die junge Frau wuchsen ständig, 1909 wurde Sohn Golo geboren, 1910 Tochter Monika. Und: Der kapriziöse Gatte wollte abgeschirmt, zugleich aber in seiner Rolle als Paterfamilias einbezogen werden. Ein ständiges Vabanquespiel für die Gattin.

Der jungen Ehefrau wurde bald alles zu viel. Immer wieder fühlte sie sich elend, und ihre Mutter sorgte dafür, dass sie sich in Sanatorien erholen konnte. Katias Davoser Aufenthalt (1912), durch Thomas Manns Roman „Der Zauberberg“ berühmt geworden, blieb nicht der einzige. Bis in die zwanziger Jahre hinein fiel sie immer wieder für mehrere Monate aus.

Die Pringsheims oder eine Hausangestellte passten auf die Kinder auf.

Und: Katia wurde wieder schwanger.

Im April 1918 bekam sie Elisabeth, die das Lieblingskind ihres Vaters wurde.

Katia Mann wäre gern immer wieder schwanger geworden – gab aber an anderer Stelle munter zu: „Die Pädagogik gehört nicht gerade zu meinen Stärken.“

Welche Leere füllten die Kinder aus? Und wieso war Katia, die ihren Ehemann meisterhaft lenkte, ihren Kindern so hilflos ausgeliefert?

Im Frühjahr 1933, während der Machtübernahme der Nazis, reisten die Manns im Ausland umher. Sie kehrten nicht nach Hause zurück. Erst zogen sie für 5 Jahre in die Schweiz. Dann für 14 Jahre in die USA, nach Princeton und Pacific Palisades.

Für Katia Mann war das sogenannte „Dritte Reich“ eine überaus peinvolle Epoche.

Zwar konnten ihre Eltern noch im letzte Augenblick gerettet werden – aber viele ihrer durchwegs jüdischen Verwandten wurden von den Nazis umgebracht.

Nach dem Krieg zogen die Manns wieder zurück in die Schweiz, wo Thomas Mann noch 3 Jahre lebte (bis zu seinem Tod 1955) und Katia noch 28 Jahre (bis zu ihrem Tod 1980).

  • HEDY LAMARR (eigentlich Hedwig Kiesler; 1914 – 2000)

Sie wurde am 9. November 1914 in Wien geboren und sie verstarb am 19. Januar 2000 in Florida. Lamarrs Vater Emil Kiesler war Bankdirektor, die Mutter Gertrud, geb. Lichtwitz, Konzertpianistin. Beide Elternteile waren Juden. Hedy besuchte eine Privatschule, erhielt Klavier-, Ballett- und Sprachunterricht. Schon in ihrem vierten Film „Man braucht kein Geld“ mit Heinz Rühmann und Hans Moser hatte Lamarr eine Hauptrolle. Der tschechoslowakisch-österreichische Film „Ekstase“ von 1933 war aufgrund seiner Nacktszenen ein Skandal.

Hedy heiratete am 10. August 1933 den reichen Wiener Industriellen Fritz Mandl, einen herrschsüchtigen und eifersüchtigen Mann, der ihr das Auftreten in Filmen verbot. Mandl war Waffenfabrikant, der unter anderem auch mit dem nationalsozialistischen Deutschland Geschäfte machte. Bei den zahlreichen Diners ihres Gatten musste Hedy die Vorzeigefrau spielen. Ein zweifelhaftes, aber doch lehrreiches Vergnügen, denn im Hause Mandl verkehrte alles, was in der Kriegsindustrie der Dreißiger-Jahre Rang und Namen hatte. So absolvierte sie eine Art Schulung im Fach Rüstungstechnik. Das kam ihr später bei einer technischen Erfindung zugute.

Lange hielt Hedy die Ehe im goldenen Käfig nicht aus. 1937 schläferte sie ihre Aufpasserin ein, stieg aus dem Fenster und floh nach London.

In London wurde sie von Louis B. Mayer für MGM unter Vertrag genommen. Gleichzeitig gab er ihr den Künstlernamen Hedy Lamarr. MGM vermarktete sie als „schönste Frau der Welt“ – so hatte sie Max Reinhardt einstmals bezeichnet, als Hedy bei ihm ihre ersten schauspielerischen Schritte unternommen hatte.

Im Studio galt die Lamarr als schwierig. Sie spielte gelegentlich gute Rollen, doch meistens war sie als dekoratives Beiwerk zu sehen. Dies gilt insbesondere für ihren größten kommerziellen Erfolg, den Film “ Samson und Delilah“, bei dem Cecil G. DeMille

Regie führte. Lamarr behauptete in späteren Jahren oft, sie habe viele gute Rollen abgelehnt, so in „Casablanca“ und in „Das Haus der Lady Alquist“.

1958 hat sie ihren letzten Film gedreht.

1940 lernte Hedy Lamarr auf einer Dinnerparty in Hollywood den Avantgarde-Komponist George Antheil kennen. Wie Hedy war Antheil, der vor Hitler aus Europa geflohen war, aus persönlichen Gründen ein leidenschaftlicher Gegner des Nationalsozialismus.

Eines Tages kam – wahrscheinlich, weil Lamarr sich an die Ausführungen ihres Ex-Mannes Mandl erinnerte – die Rede auf den effektiven Einsatz von Torpedos. Feindliche Schiffe konnten ungelenkten Torpedos damals leicht ausweichen, und über Funk gesteuerte Torpedos konnten vom Feind durch Blockieren der jeweiligen Funkfrequenz gestört werden. Den beiden kam eine Idee: Wenn der Torpedo und der Steuersender unablässig die Funkfrequenz wechseln könnten, wäre es unmöglich, die Verbindung zu blockieren.

Der Frequenzwechsel müsste nur absolut synchron erfolgen.

Antheil kam ein weiterer Geistesblitz: In den Zwanziger- Jahren hatte er das „Ballet Mécanique“ verfasst, ein von 16 vollautomatischen Klavieren aufgeführtes Musikstück. Über auf Walzen geführte Lochkarten wurden die Klaviere gesteuert – und spielten absolut synchron im Takt. Man müsste lediglich das Prinzip auf Torpedos übertragen und statt Klaviertasten die Funkfrequenzen wechseln und hätte eine blockierungssichere Fernsteuerung.

Am 11. August 1942 war es dann so weit: Das US-Patent Nr. 2.292.387 für ein „Geheimes Kommunikationssystem“, das zwischen 88 Funkfrequenzen (die den 88 Tasten auf einem Klavier entsprachen) wechselte, wurde ausgestellt.

Nachdem Hedy Lamarrs Vertrag mit MGM ausgelaufen war, waren ihr kaum noch Rollen angeboten worden. Ende der Fünfziger-Jahre zog sie sich völlig von der Außenwelt zurück.

Mit etlichen Schönheitsoperationen versuchte sie, ihre Jugend zu konservieren, doch selbst ihr Sohn Anthony Loder fand, wie er 2004 im Film „Calling Hedy Lamarr“ erklärte, sie habe sich „in eine Art Frankenstein“ verwandelt.

Ihre letzten Schlagzeilen hatte die ehemalige Filmdiva 1966 mit Ladendiebstählen in Los Angeles gemacht. Als Verteidigung sagte sie aus, sie hätte es getan, weil sie fand, dass die Welt ihr etwas schuldig geblieben war.

HELMUT KORHERR (Autor)

1950 in Wien geboren, lebt in Wien und Aussee.

Seit 1976 freier Schriftsteller; hauptsächlich als Dramatiker tätig.

Mitglied des P.E.N.-Clubs. 2013 Verleihung des Berufstitels „Professor“ durch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur.

Aufführungen (kleine Auswahl aus jüngster Zeit):

2008 Szenische Lesung „Eleonore Duse“ mit Andrea Jonasson/Lehar-Theater Bad Ischl

2009 Schauspiel „Hakoah führt!“ mit Wolfgang Böck/Stadttheater Walfischgasse

2010 Lesung „U-Boot“(mit Dagmar Schwarz & Günter Franzmeier/Wr. Volkstheater (Empfangsraum);

2011 „Freuds Neurosen“ mit Christian Spatzek/3raum-anatomietheater

2013 Szenische Lesung „Berta Zuckerkandl“ mit Ulli Fessl u.a./ neuer Salon im Café Landtmann

2014 „Totentanz“ (Rezitation: Wolfgang Böck, Musik: Neue Wiener Concertschrammeln) im MuseumsQuartier/Wien;

2014 „magda goebbels“ mit Claudia Androsch / KIP Theater Café Prückel

2015 „ADOLF LOOS /Frauen und Freunde“ mit Erika Deutinger / KIP Theater Café Prückel.

2016 „ExilLosangeles“ mit Erika Mottl u.a./Metro-Kino Wien

CHRISTIAN SPATZEK (Regie)

1956 in Wien geboren.

Nach seinen Studien an der Universität für Musik und Darstellende Kunst in Wien und am Mozarteum in Salzburg führten ihn Theaterengagements an viele deutschsprachige Bühnen: Landestheater Salzburg, Salzburger Festspiele, Schauspielhaus Zürich, Wiener Volkstheater sowie am Theater in der Josefstadt.

Seit 1979 war Christian Spatzek in zahlreichen Filmen und Fernsehproduktionen zu sehen (Auswahl):

2003 in „Bockerer IV“ (Regie: Franz Antel )

2005 „Schön, dass es dich gibt“, TV-Film (Regie: Reinhard Schwabenitzky)

Durch die Rolle des „Gustl“ Schimek in der ORF-Serie „Kaisermühlen Blues“, die Christian Spatzek 8 Jahre lang spielte, ist er einem breiten Fernsehpublikum bekannt.

Spatzek inszenierte folgende Korherr-Uraufführungen:

Wiener Bezirksfestwochen Mai 2002, Juli 2003 / Theater am Spittelberg:

„Kaiser Josef und das Bierhäuslmensch“;

2004 u.a. beim Tschauner: „Arlecchino spielt verrückt“;

2006 Urania: „ Soeur Sourire – die lächelnde Nonne“.

2012 „maria montessori.ungeschminkt“ im 3raum-anatomietheater.

ERIKA DEUTINGER (Katia Mann)

1952 in Radstadt geboren.

Bekannt wurde sie durch die 1975 bis 1979 produzierte österreichische Erfolgsserie

„Mundl – Ein echter Wiener geht nicht unter“, wo sie die Rolle der „Hanni“ spielte.

Sie hat u.a. auch in folgenden Filmen mitgewirkt:

1981 in „Tatort“ – Mord in der Oper“ als Helga;

1983 in „Kehraus“ als Bardame Rosi;

1985 in „Tatort“- Nachtstreife“ als Krankenschwester

2003 in „Trautmann“- 2mal als Helga Smeibidlo;

2007 in „Vier Frauen und ein Todesfall“ als Walli;

2008 in „Echte Wiener / Sackbauer Saga“;

2010 in „Echte Wiener 2 / Die Depatt`n und die Gspritz`n“

Theater (Auswahl)

2014 in „Kalender Girls“ im Gloria Theater;

2015 als Peter Altenberg in „ADOLF LOOS/Frauen & Freunde“ von Helmut Korherr

im Theater vom Café Prückel in Wien.

MERCEDES ECHERER (Hedy Lamarr)

Geboren am 16. Mai 1963 in Linz

ist zweisprachig (deutsch und ungarisch) aufgewachsen.

Von 1991 bis 1996 moderierte sie die „Kunst Stücke“ und

die Gala des Prix Ars Electronica im ORF.

Engagements u.a.:

1984-1985 Theater an der Wien (Cats)

1985-1989 Wiener Volkstheater

1990-1998 Theater in der Josefstadt

2004 gründete sie das EU XXL film, forum and festival of european film.

Filmografie (Auswahl):

Nachsaison (1988); Fahrt in die Hauptstadt (1991); Der See (1996, Regie: Thomas Roth); Wanted(1999); Die Rache der Wanderhure (2012)

TV (Auswahl):

Meine Tochter nicht (2009, Regie: Wolfgang Murnberger);

Der Täter (2008, Regie: Michael Kreihsl)

Schnell ermittelt (2008, Regie: Michi Riebl)

Der Winzerkönig (2007, Regie: Claudia Jüppner);

Vier Frauen und ein Todesfall (2006, Regie: Wolfgang Murnberger);

Ein glücklicher Tag (2004, Regie Paul Hennge).

Text: Pressetext, Agenur Gamuekl

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